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Pastinaken gehören zu den vergessenen Gemüsesorten, von vorne fotografiert

Fast vergessen: Diese alten Obst- und Gemüsesorten erleben ein Revival

FloCooks vom SevenCooks Team
25.09.2018
Durch die Industrialisierung des Obst- und Gemüseanbaus sterben immer mehr heimische Arten aus. Bereits 75 Prozent der ursprünglichen Vielfalt gelten als verschwunden. Aber es schaffen auch immer wieder Sorten den Sprung von der Vergessenheit ins Rampenlicht.

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"Alte deutsche Lokalsorte, milde Gemüsepaprika, hervorragender Geschmack, Universalgenie in der Küche." Liest du dir die Beschreibung der Paprikasorte „Roter Augsburger“ durch, dann hört sie sich ideal für den heimischen Gebrauch an. Doch kaufen können sie wohl nur die Wenigsten, denn im Supermarkt ist sie kaum zu finden. Nicht einmal in Augsburg und Umgebung ist die Sorte heute noch groß verbreitet. Wer sie einmal selbst probieren möchte, dem bleibt nur eins: Selbst im Garten anbauen.

katherine-lenhart-440548-unsplash Paprika Wenn du einen Garten hast, solltest du die Sorte „Roter Augsburger“ unbedingt mal probieren. Foto: Katherine Lenhart (unsplash)

Und damit droht der Paprika „Roter Augsburger“ dasselbe, wie vielen anderen alten Obst- und Gemüsesorten auch – das Vergessen und Aussterben. Denn was früher je nach Region auf den Tellern zu finden war, wird heute im Zuge der Kommerzialisierung durch massentaugliche Sorten verdrängt. Damit es für Produzenten lukrativ ist, muss sich das Obst und Gemüse mit Maschinen bearbeiten lassen, leicht zu verpacken und lagerfähig sein. Nur dann findet es noch den Weg in die Regale der Supermärkte.

Die meisten alten Apfelsorten sind heute unbekannt

Die wohl größte Selektion gibt es beim Apfel. Über 2000 verschiedene Sorten sind in Deutschland beheimatet, doch weniger als 1 % schafft es in die Supermärkte: 97 Prozent der gesamten Apfelproduktion in Deutschland entfällt auf lediglich elf Sorten. An der Spitze Elstar, gefolgt von Jonagored und Red Prince, die zusammen 51,5 Prozent ausmachen.

Wie schlimm das Ausmaß wirklich ist, zeigt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Nach deren Angaben sind in den vergangenen 150 Jahren 75 Prozent der Sorten „verschwunden“. Und von weiteren 16 Prozent der ursprünglichen Vielfalt existiert Saatgut nur noch in Gendatenbanken.

Lesetipp: Food Trends 2018: Worauf wir uns dieses Jahr freuen dürfen.

Unbekanntes Obst und Gemüse: Slow Food startet Initiative gegen das Vergessen

Um die Aufmerksamkeit auf die am stärksten bedrohten Lebensmittel zu lenken, hat Slow Food das internationale Projekt „Arche des Geschmacks“ ins Leben gerufen. Gestartet 1996, beinhaltet die Liste heute weltweit 4700 Passagiere – wie die Initiatoren die aufgeführten Lebensmittel nennen – und in Deutschland 69 (Stand August 2018). Darunter finden sich etwa die Zwiebelsorte Höri Bülle, Alblinsen oder die Kesselheimer Zuckererbse.

Dass nicht noch mehr Lebensmittel auf der Liste stehen, liegt daran, dass es mittlerweile einen Handel mit dem Saatgut von alten deutschen Obst- und Gemüsesorten gibt, um diese vor dem Aussterben zu bewahren: wie etwa beim Roten Augsburger.

Datenbank zum Erhalt der alten Obst- und Gemüsesorten

Wo das Saatgut der seltenen Sorten gekauft werden kann, zeigt etwa das Genbänkle, das von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zusammen mit dem Alblinsen-Förderverein gegründet wurde. In der Datenbank sind derzeit über 200 Anlaufstellen zu finden.

Vom unbekannten Obst und Gemüse zurück ins Rampenlicht

Wie erfolgreich solche Datenbanken sind, zeigt sich etwa bei Gemüsesorten, die den Sprung von der Bedeutungslosigkeit bis in die Supermärkte geschafft haben. Seien es Mangold, Topinambur, Pastinaken oder Erdbeerspinat.

Vom Außenseiter zum „In“-Gemüse: der Mangold

Gerade der Mangold hat sich mit seinen kräftigen grünen Blättern und bunten Stielen in den vergangenen Jahren zum „In“-Gemüse entwickelt. Roh, gebraten, gekocht oder auch gedünstet – das Gemüse schmeckt als Rohkost im Salat, passt aber auch genauso gut zu Pasta-Gerichten.

Einst eines der Top-Gemüse hierzulande, verlor es durch die wachsende Beliebtheit von Spinat und Spargel an Bedeutung und bekam schließlich sein angestaubtes Image als „Spargel des kleinen Mannes“.

Im Allgemeinen gibt es zwei Arten des Blattgemüses. Zum einen den Blattmangold, der kleinere Blätter und einen eher zarten Stiel hat. Zum anderen den typischen Stielmangold, mit seinen großen Blättern und dem dicken, saftigen Stiel, der oft wie Spargel zubereitet wird und daher auch seinen Beinamen hat. Obwohl der Mangold bereits seit über 300 Jahren hierzulande angebaut wird, hat er seinen Ursprung im mediterranen Mittelmeer-Raum.

markus-spiske-406073-unsplash Mangold Mangold ist „In“ und das zu Recht, denn er ist vielseitig und regional erhältlich. Foto: Markus Spiske (unsplash)

Vom Babybrei bis zur Sterneküche: die Pastinake

Bis ins 18. Jahrhundert war die Pastinake, oder auch Germanenwurzel, eines der Grundnahrungsmittel in Deutschland. Mit dem Aufkommen der Kartoffel und den Karotten verlor das Wurzelgemüse immer mehr an Bedeutung. Lediglich als Babynahrung wurde es hauptsächlich noch verwendet. Dabei sind Pastinaken gut verdaulich und zudem reich an Kohlenhydraten und Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Vitaminen (B, C und E) und Folsäure. Mittlerweile ist das Gemüse wieder in aller Munde und das nicht zuletzt durch die gehobene Küche, die den Geschmack der süßlich, nussigen Knolle für sich entdeckt hat.

pastinaken2 Mit der Pastinake kannst du Abwechslung in deine Küche bringen, probiere doch mal unsere gebackenen Pastinaken. Foto: SevenCooks

Eine fruchtige Mischung: der Erdbeerspinat

Lange Zeit war der Erdbeerspinat eine in Vergessenheit geratene Gemüsesorte, doch heute ist sie beinahe in jedem Gartencenter zu entdecken. Seinen Namen hat der Erdbeerspinat durch seine erdbeerähnliche Frucht und die Blätter, die an Spinat erinnern. Wenn du jedoch denkst, dass die Frucht auch wie eine Erdbeere schmeckt, dann müssen wir dich enttäuschen. Viel mehr erinnert es entfernt an eine Maulbeere. Nicht nur die Frucht ist an dem Gemüse der Gattung der Gänsefüße essbar, sondern auch die Blätter, die du wie Spinat zubereiten oder roh für Salate verwenden kannst.

1280px-Chenopodium capitatum Strawberry Blite 2048px Der Erdbeerspinat gibt viel her: Man kann seine Blätter sowie die Frucht essen. Foto: Derek Ramsey 2006 (Wikipedia) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/

Krankheiten brachten ihn wieder ins Gespräch: der Topinambur

Zwar immer mehr im Kommen, aber dennoch für viele weiterhin ein unbekanntes Gemüse, ist der Topinambur. Während er auf den ersten Blick wie eine Kreuzung aus Ingwer und Schwarzwurzel anmutet, erinnert er aufgeschnitten an eine Kartoffel. Wie die Pastinake wurde auch der Topinambur durch das Aufkommen der Kartoffel verdrängt. Erst seine Eigenschaft als Heilpflanze, für aktuell immer größere Probleme wie Diabetes, Stoffwechselleiden oder Verdauungsstörungen, rückte ihn wieder ins Gedächtnis der Verbraucher.

Helianthus tuberosus (rhizomes) Achtung Verwechslungsgefahr – Topinamburknollen sehen Ingwer sehr ähnlich. Foto: Earendil (Wikipedia) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Rezeptideen mit vergessenen Gemüsesorten 

Du hast Lust bekommen auf Mangold, Topinambur, Pastinaken und Co.? Dann zeigen wir dir leckere Rezepte, die perfekt in deinen Alltag passen.

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